Passende Bildungsangebote für junge geflüchtete und zugewanderte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind entscheidend, damit sie sich möglichst rasch integrieren und einen guten Platz in unserer Gesellschaft finden können - sei es in der Kita, in der Schule oder im beruflichen Bereich. Dazu hat das Kultusministerium ein mehrstufiges Konzept entwickelt und umfassende Ressourcen bereitgestellt:
Unterricht in Vorbereitungsklassen
An den Schulen erhalten die jungen Menschen zunächst in so genannten VKL-Klassen (Vorbereitungsklassen der allgemein bildenden Schulen) und VABO-Klassen (Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen der beruflichen Schulen) eine intensive Sprachförderung und werden auf den Wechsel in eine reguläre Klasse vorbereitet. Über 1.160 zusätzliche Lehrerstellen stehen für die Arbeit in den Vorbereitungsklassen zusätzlich zur Verfügung, und auch die Fortbildungsangebote wurden massiv erweitert. Fortbildungen werden durch das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) über alle Regierungspräsidien bzw. Schulämter hinweg flächendeckend angeboten.
Die Schulpsychologischen Beratungsstellen bieten weiterhin Fortbildungen sowie Supervisionsgruppen zum Umgang mit belasteten Kindern und Jugendlichen in der Schule an. Selbstverständlich können sich Lehrkräfte im Rahmen der Einzelfallberatung auch zu dieser Thematik an die jeweils zuständige Schulpsychologische Beratungsstelle wenden.
Integration in eine Regelklasse
Sprachförderung und Sprachbildung in Regelklassen
Nach einer ersten Phase des Spracherwerbs in den VKL- und VABO-Klassen werden die Kinder und Jugendlichen auf den Wechsel in eine reguläre Klasse vorbereitet.
Nach einer schrittweisen Integration in die Regelklassen erhalten die Kinder und Jugendlichen parallel zum Regelunterricht weitere geeignete Sprachförderung (z.B. nachgehende Sprachförderkurse). Nachgehende Sprachförderkurse nehmen die fach- und bildungssprachliche Förderung in den Blick und tragen somit dazu bei, dass die Schülerinnen und Schüler die Anforderungen des Regelunterrichts bewältigen können.
Ein Teil der neu zugewanderten Schülerinnen und Schüler besucht anstelle einer VKL direkt eine Regelklasse unter Einsatz begleitender Sprachförderkurse (sog. Vorbereitungskurse).
Die Maßnahmen der Sprachförderung sind in das übergeordnete Konzept der „Durchgängigen Sprachbildung (DSB)“ eingebettet. Dieses verfolgt einen systematischen Ansatz, der die sprachliche Entwicklung der Schülerinnen und Schüler über alle Bildungsphasen hinweg begleitet. Die Durchgängige Sprachbildung umfasst dabei die beiden ineinandergreifenden Teilkonzepte Sprachförderung und Sprachbildung. Während Sprachförderung auf die gezielte Unterstützung von Lernenden mit einem diagnostisch festgestellten sprachlichen Förderbedarf zielt, richtet sich Sprachbildung grundsätzlich an alle Schülerinnen und Schüler. Weitere Informationen finden Sie unter Durchgängige Sprachbildung: Ministerium für Kultus Baden-Württemberg
Potenzialanalyse (2P)
Das Verfahren „2P|Potenzial & Perspektive“ wird seit Oktober 2016 in Baden-Württemberg flächendeckend eingesetzt, und zwar vorrangig in VKL- und VABO-Klassen. Ziel ist die Erfassung und Dokumentation fachlicher und überfachlicher Kompetenzen, um somit das individuelle Potenzial jedes Einzelnen sichtbar zu machen und Perspektiven für den weiteren schulischen und beruflichen Lebensweg aufzuzeigen. Die Potenzialanalyse ist ein webbasiertes Verfahren, das die Lehrkraft dabei unterstützt, neu zugewanderten Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 20 Jahren geeignete Lernangebote zu machen und damit eine individuelle Förderung zu erleichtern.
Mit 2P | Xploria – Lerntool DaZ (Deutsch als Zweitsprache) steht den Schulen ab dem Schuljahr 2026/2027 ein digitales Lerntool im Verfahren 2P zur Verfügung, mit dem die Ergebnisse aus der 2P-Kompetenzdiagnostik mit individuell passenden, digitalen Lernaufgaben für die Schülerinnen und Schüler zur gezielten diagnosebasierten Förderung verbunden werden können. Das neue 2P-Modul enthält rund 3.000 Aufgaben in den Sprachniveaus A1 bis B2 des GER (Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Sprachen) mit den Kompetenzbereichen Wortschatz, Hören, Lesen und Grammatik.
Weitere Informationen finden Sie auf www.2p-bw.de.
Praktische Berufsorientierung KooBO-Z
Die „Kooperative Berufsorientierung für neu Zugewanderte“ (KooBO-Z) ist ein Angebot für Schülerinnen und Schüler im Alter von 10-20 Jahren in VKL- oder VABO-Klassen. In einer Gruppe von 12-15 Teilnehmenden, setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit ihren Kompetenzen im Zusammenhang mit der Berufsorientierung auseinander. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der praktischen Arbeit. Die Schülerinnen und Schüler lernen die Bildungs- und Ausbildungswege in Deutschland kennen und erhalten Einblicke in die Berufswelt durch Betriebsbesichtigungen oder Hilfestellung bei Bewerbungen für Praktika.
In dem Projekt wird ein Produkt hergestellt, an dem die verschiedenen Berufsfelder erlebbar werden. Bei diesem Projekt können auch die Erkenntnisse aus 2P aufgegriffen und die Schülerinnen und Schüler somit bei der Auseinandersetzung mit der eigenen beruflichen Orientierung unterstützt werden. KooBO-Z wird durch Mittel des Bundesministeriums für Bildung finanziert. Ein Bildungsträger ist für die Projektumsetzung mit 5 Unterrichtsstunden pro Woche verantwortlich.
Bildungsjahr für erwachsene Geflüchtete
Das „Bildungsjahr für erwachsene Flüchtlinge ohne oder mit geringen Sprach- und Schreibkenntnissen“ (BEF Alpha) verbessert die Grundlagen der Teilnehmenden für eine gute Integration erheblich. Zielgruppe sind geflüchtete Erwachsene in der Regel im Alter von 21 bis 35 Jahren aus den Ländern mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit und darüber hinaus. Die von allgemeinen und beruflichen Weiterbildungsträgern veranstalteten Lernangebote laufen über 35 Kurswochen mit 980 Unterrichtseinheiten sowie fünf Wochen Praktikum in Unternehmen.
BEF Alpha bietet durch die enge Kombination der drei Bereiche Sprache/Alphabetisierung, Berufsorientierung und politische Grundbildung/Gleichberechtigung die Möglichkeit, den Aufbau der sprachlichen Kompetenz eng mit der Berufsorientierung zu verbinden und dadurch zu festigen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus einer Vielzahl von Ländern werden dabei auch in die deutsche Alltags- und Arbeitskultur eingeführt. Ziel ist die Vorbereitung auf einen Übergang in weitere Bildungsgänge, eine Ausbildung oder den Arbeitsmarkt.
BEF Alpha wird finanziert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, das dem Kultusministerium von 2016 bis 2020 dafür rund drei Millionen Euro zur Verfügung stellt. Die erste Kursreihe von September 2016 bis Juli 2017 erreichte mit zwölf Projektstandorten rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die zweite startete vorwiegend im März/April 2017 an 16 Projektstandorten mit etwa 250 Geflüchteten.
Weitere Informationen finden Sie auf Fachstelle-grundbildung.de
Weiterführende Links
Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe
Häufig gestellte Fragen
Hier haben wir wichtige Fragen und Antworten zum Unterricht und zur Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen ins Schulsystem zusammengestellt. Mehr
Lehrergewinnung
Im Zusammenhang mit den Bildungsangeboten für zugewanderte Kinder und Jugendliche können sich auch pensionierte Lehrerinnen und Lehrer für den Unterricht in VKL- und VABO-Klassen melden.
Materialien und Handreichungen
Integration-Bildung-Migration-BW










