Deutscher Lehrkräftepreis

3 Fragen 3 Antworten: Diesmal mit den Gewinnern des Sonderpreises Kulturelle Bildung

Für das Theaterprojekt „Für die Freiheit! 1525–2025“ zum 500-Jahr-Jubiläum des Bauernkrieges hat das Projektteam der Dollinger-Realschule in Biberach den Sonderpreis „Kulturelle Bildung“ in der Kategorie „Unterricht innovativ" erhalten.

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Drei Männer und eine Frau vor blauem Hintergrund

Zahlreiche Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern waren am Theaterprojekt „Für die Freiheit! 1525–2025“ beteiligt. In 3 Fragen 3 Antworten erzählen die Preisträger Dieter Maucher und Marcus Pfab aus dem Projektteam der Dollinger-Realschule, was hinter dem groß angelegten Theaterprojekt steckt.

1. Über 170 Menschen waren an Ihrem Theaterprojekt beteiligt – vom Schulchor bis zur Historiengruppe – wie haben Sie es geschafft, so viele Menschen zu begeistern?

Unser Theaterprojekt ist aus der Idee entstanden, das 500-jährige Jubiläum des Bauernkriegs, der sich auch im Einzugsgebiet unserer Schule abspielte, nicht nur historisch zu betrachten, sondern für unsere Schülerinnen und Schüler lebendig und erfahrbar zu machen. Von Beginn an war klar: Das gelingt nur gemeinsam.
 
An der Dollinger-Realschule Biberach verstehen wir Schule als Lebens- und Erfahrungsraum. Deshalb haben wir bewusst viele Gruppen eingebunden: Klassen aus unterschiedlichen Jahrgangsstufen, Theater- und Bläserprofilklassen, das Schulorchester, den Schulfanfarenzug, den Schulchor, Lehrkräfte sowie außerschulische Partner. Jede und jeder konnte eigene Stärken einbringen: künstlerisch, organisatorisch, musikalisch, technisch oder historisch forschend.
 
Aus diesem Miteinander ist auch die große Begeisterung entstanden. Die Schülerinnen und Schüler haben nicht nur Rollen gespielt, sondern historische Quellen erarbeitet, Figuren entwickelt und Bezüge zur Gegenwart hergestellt. So wurde das Projekt zu einem echten Gemeinschaftswerk.

2. Inwiefern hat dieses Projekt Ihr eigenes Verständnis von „Demokratie lernen“ verändert?

Demokratie lernt man nicht allein im Unterrichtsgespräch, sie entsteht im Tun. Genau das durften wir in diesem Projekt erleben. Im Probenprozess, in Diskussionen über historische Deutungen und in kreativen Entscheidungsprozessen wurde Demokratie direkt erfahrbar: Meinungen mussten ausgehandelt, Perspektiven respektiert und gemeinsame Lösungen gefunden werden. Die Schülerinnen und Schüler haben gelernt, Verantwortung zu übernehmen, Argumente abzuwägen und ihre Haltung zu reflektieren.
 
Für uns wurde dadurch noch deutlicher, dass Demokratiebildung kein Zusatz ist, sondern Kern schulischer Arbeit. Wenn junge Menschen Geschichte mit der Gegenwart verknüpfen und erkennen, dass Freiheit und Mitbestimmung nicht selbstverständlich sind, dann entsteht nachhaltiges Lernen.

3. Was bedeutet dieser Preis für Sie – ist er eher ein Schlusspunkt hinter einem großen Projekt oder ein Startsignal für Neues?

Die Auszeichnung ist für uns eine große Ehre und Wertschätzung für das Engagement unserer gesamten Schulgemeinschaft. Sie macht sichtbar, was entstehen kann, wenn Kreativität, fachliches Lernen und Wertebildung zusammenwirken.
 
Gleichzeitig verstehen wir den Preis nicht als Schlusspunkt, sondern als Ermutigung. Er bestärkt uns, weiterhin mutige Projekte zu starten, kulturelle Bildung zu stärken und Räume zu schaffen, in denen Schülerinnen und Schüler Demokratie erleben können. Der Preis gehört nicht einzelnen Personen, sondern unserer ganzen Schule und er ist für uns ein starkes Signal, diesen Weg mit Freude, Offenheit und Verantwortung weiterzugehen.