Von ersten Praxiserfahrungen bis hin zur Vorqualifizierung in einem beruflichen Bereich
AVdual sieht neben einer Pädagogik des niveaudifferenzierten Lernens mit unterschiedlichen Bildungszielen eine verstärkte Einbindung von Betriebspraktika gekoppelt an eine individuelle Begleitung der Jugendlichen vor.
AVdual wird generell als Ganztagsklasse organisiert, um das Zeitmuster der Arbeitswelt abzubilden. Die Lernenden erhalten so auch mehr Lernzeit, um den Bildungsgang möglichst erfolgreich zu absolvieren. Kulturelle oder sportliche Angebote runden den ganzheitlichen Ansatz der Ausbildungsvorbereitung ab. Die Jugendlichen werden bei der persönlichen Entwicklung gestärkt und haben die Möglichkeit der Übernahme von Eigenverantwortung.
Das Lernen erfolgt stark individualisiert, damit wird den Jugendlichen mit und ohne Hauptschulabschluss ein Lernen auf dem für sie passenden Niveau ermöglicht. Die Weiterentwicklung von überfachlichen Kompetenzen und Selbstlerntechniken bilden den pädagogischen Schwerpunkt, um die Voraussetzungen der Jugendlichen für eine Ausbildung nachhaltig zu verbessern. Auf dieser Grundlage entwickeln die Schülerinnen und Schüler auch ihre allgemein bildenden Kompetenzen weiter. Im Rahmen eines handlungsorientierten und projektbasierten Unterrichts in berufsbezogenen Lernfeldprojekten und lebensweltbezogenen Lernprojekten erhalten sie erste Einblicke in der Regel in ein Berufsfeld (z. B. Metall, Holz, Gastronomie) und erwerben grundlegende berufliche Kompetenzen. Durch das schulartübergreifende Gesamtverfahren BOaktiv ist es nun möglich Kompetenzanalyse, Dokumentation, Reflexion und individuelle Förderungen ganzheitlich sichtbar zu machen, so dass die individuellen fachlichen wie überfachlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler optimal gefördert werden können.
Praxisluft schnuppern und den beruflichen Alltag erproben
Grundlage in den berufsvorbereitenden Bildungsgängen ist, dass Schulen ein Praktikum in Form von wöchentlichen Praxistagen oder Praxisblöcken in Betrieben anbieten. Im AVdual wird das Praktikum von AVdual-Begleitungen organisiert. Dies ermöglicht eine verstärkte individualisierte Betreuung der Jugendlichen. Im AV werden die Schülerinnen und Schüler durch den Unterricht und durch eine Lehrkraft betreut. Die Lernenden können über einen längeren Zeitraum an ein oder zwei Tagen pro Woche fortlaufend den „beruflichen Ernstfall” erproben und viele konkrete berufsbezogene Erfahrungen sammeln.
Anschlussfähigkeit als wichtigstes Ziel
Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz steigen durch den Besuch des praxisnahen Bildungsgangs deutlich. AVdual und AV schließen bei Erfüllung bestimmter Anforderungen mit einem AVdual bzw. AV-Abschluss ab. Wer eine zentrale Abschlussprüfung in den Fächern Deutsch, Mathematik und eventuell Englisch besteht, erwirbt hier zusätzlich einen dem Hauptschulabschluss gleichwertigen Bildungsstand.
Auch der Anschluss an andere berufliche Schulen, wie beispielsweise eine zweijährige zur Fachschulreife führende Berufsfachschule, ist möglich.
Kooperative Ausgestaltung von AVdual bzw. AV für Lernende aus dem Förderschwer-punkt/Bildungsgang Lernen
Ziel der kooperativen Ausgestaltung von AVdual bzw. AV ist es, den Schülerinnen und Schülern den Übergang in eine Ausbildung oder den Beruf zu erleichtern und ihre Teilhabe an der Gesellschaft zu fördern.
Dabei besuchen die Schülerinnen und Schüler im letzten Jahr an ihrer allgemein bildenden Schule (z. B. am SBBZ oder im inklusiven Bildungsangebot) bereits einen Tag pro Woche eine berufliche Schule, um erste Erfahrungen mit der Ausbildungsvorbereitung zu sammeln. Im darauffolgenden Jahr wechseln sie dann vollständig an die berufliche Schule.
Um den Wechsel so reibungslos wie möglich zu gestalten, unterrichtet eine Lehrkraft aus der allgemein bildenden Schule die Schülerinnen und Schüler auch im zweiten Jahr an der beruflichen Schule. Dies soll sicherstellen, dass sie eine vertraute Ansprechperson haben und von der sonderpädagogischen Expertise weiterhin profitieren können.
Kooperationsklassen mit Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ)
Berufliche Schulen bieten in enger Zusammenarbeit mit Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren Kooperationsklassen an, in denen die neunte Klasse des SBBZ mit dem VAB zu einem zweijährigen Bildungsgang fest verzahnt ist. Die Schülerinnen und Schüler erhalten hier eine intensive Förderung mit dem Ziel, einen dem Hauptschulabschluss gleichwertigen Bildungsstand zu erreichen. Bereits im ersten Jahr der Kooperationsklassen erhalten die Schülerinnen und Schüler fachpraktischen und fachtheoretischen Unterricht in bis zu drei beruflichen Bereichen.
Das Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen (VABO) bereitet berufsschulpflichtige Jugendliche – insbesondere zugewanderte und geflüchtete Personen – im Wege eines Vorbereitungsunterrichts primär auf die sprachlichen Anforderungen einer anschließenden berufsvorbereitenden oder beruflichen Ausbildung vor. Parallel zum Spracherwerb werden durch handlungsorientierten und projektbasierten Unterricht interkulturelles Lernen ermöglicht und soziale Kompetenzen gefördert.
Im VABO wird eine Sprachstandserhebung gemäß dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) durchgeführt und bescheinigt. Diese erfolgt in der Regel auf der Niveaustufe A 2.
Schülerinnen und Schüler, die über die erforderlichen Deutschkenntnisse verfügen, nehmen im VABO an einem Praktikum teil. Das Praktikum wird von der Schule entsprechend der örtlichen Situation organisiert, inhaltlich ausgestaltet und begleitet.
